Die MS-Beratungsstelle

1980 gründete der emeritierte ärztliche Leiter der neurologischen Universitätsklinik, Prof. Dr. Helmut Bauer, die Informations- und Beratungsstelle für Multiple Sklerose (IBS) auf dem alten Klinikgelände.

Diese Einrichtung, quasi eine ambulante Rehaklinik, war damals wohl einmalig: Unter einem Dach arbeiteten Neurologen, Psychologen, Sozialarbeiter und Ergotherapeuten zum Wohle von Multiple-Sklerose-Patienten zusammen. Die Patienten konnten die Beratungsstelle ambulant besuchen, zum Teil wurden sie auch mit einem rollstuhlgerechten Bus abgeholt.

Küchentraining Neben medizinischer und neuropsychologischer Diagnostik und Therapie hatten die MS-Patienten die Möglichkeit, sich von einem Sozialarbeiter in sozialrechtlichen Fragen beraten zu lassen und im Rahmen der ergotherapeutischen Behandlung konnte u.a. auch ein Küchentraining für Rollstuhlfahrer durchgeführt oder verschiedene Hilfsmittel ausprobiert werden. Hilfsmittel

Zur Einrichtung der Beratungsstelle schrieb Prof. Bauer im April 2003:

Zur Gründung der Multiple-Sklerose Informations- und Beratungsstelle

Die Nachsorge chronisch erkrankter, behinderter und älterer MS-Betroffener ist von je her ein Stiefkind sowohl der Forschung wie der Langzeit-Behandlung gewesen. Die an sich erfreulichen Statistiken über die zunehmende Lebenserwartung MS-Kranker verschweigen, dass diese auch durch eine Begrenzung der Lebens-Möglichkeiten und durch Leiden erkauft werden. Diese erträglicher zu gestalten, war das Bestreben der MS-Informations- und Beratungsstelle (IBS) der Neurologischen Klinik der Universität Göttingen.

Diese Einrichtung wurde 1980 zusammen mit der Leiterin des MS-Sozialwerks Niedersachsen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Frau Hedwig von Bülow gegründet. Wir erhielten damals von der Universität 250 qm Arbeitsräume in einem Flachbau im alten Kliniksgelände in ausgemusterten Laboratorien der Abteilung für Bluttransfusion. Das Haus wurde mit Mitteln der "Hermann und Lilly Schilling-Stiftung" in Stand gesetzt und zu einer behindertengerechten Tagesstätte für MS-Betroffene umgebaut. Der Betrieb konnte als Sondereinrichtung der neurologischen Poliklinik dank der großzügigen Unterstützung durch die Universität, die DMSG, die Schilling-Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Towbes-Foundation (USA), Spenden der MS-Patienten, deren Angehörige und Freunde der IBS aufgenommen werden.

Die IBS bot den behinderten, chronisch MS-Kranken - die ja so oft vereinsamt sind - einen Treffpunkt für soziale Kontakte, wo sie auch ihre Probleme mit einer Sozialarbeiterin erörtern konnten, die ggf. Hilfe vermittelte. Auf freiwilliger Basis entstanden Kontaktgruppen. über jeden Patienten wurde ein Krankenblatt geführt, in welchem der von einem in der IBS tätigen Neurologen erhobene Befund, die Lebens- und Leistungssituation und der Verlauf registriert wurden. Alle Patienten nahmen je nach Können und Bereitschaft an Angeboten der Ergotherapie (Training in praktischen Aktivitäten, Küchentraining, Rollstuhltraining, Werkeln, Basteln) teil. Durch Spenden konnte ein behindertengerechter Bus mit Raum für bis zu 4 Rollstuhlpatienten angeschafft werden zum An- und Abtransport der IBS-Patienten. Alte und Schwerstkranke, denen ein Transport nicht mehr zugemutet werden konnte, wurden durch ehrenamtliche Mitarbeiter besucht und über das Sekretariat der IBS erforderlichenfalls Hilfe vermittelt.

Diese Bemühungen, im Rahmen der IBS ambulanten Nachsorge in der Realität des Alltags chronisch MS-Kranker zu praktizieren, waren ein bescheidener Pilotversuch. Dieser wurde zunächst besonders seitens der niedergelassenen ärzte etwas zurückhaltend beurteilt. Dass es sich nicht um Konkurrenz, sondern um Hilfe in der praktischen Betreuung handelte, wurde aber schnell erkannt und es resultierte eine sehr positive Zusammenarbeit. Die Daten und Erfahrungen der IBS bei 600 MS-Betroffenen sind in dem Buch "Medizinische Rehabilitation und Nachsorge bei Multipler Sklerose" (H. Bauer) zusammengefasst.

Der Verfasser dieses Berichtes musste die Leitung und Arbeit in der IBS aus gesundheitlichen und Altersgründen 1987 an andere Mitarbeiter der Neurologischen Klinik weiterreichen. Nachdem die DMSG sich bemühte, zur Erhaltung dieser Einrichtung die Kosten des Betriebes der IBS vollständig zu übernehmen, ergaben sich doch Schwierigkeiten und eine prekäre Existenzkrise. Dem Multiple Sklerose Förderkreis Göttingen e.V. ist es zu verdanken, dass die IBS, wenn auch in bescheidenerem Rahmen, überleben konnte.

Prof. Dr. med. Helmut J. Bauer


Hilfsmittel Prof. Dr. med. Helmut J. Bauer starb am 16.1.2008

BTZMS 1996 wurde die Multiple Sklerose Informations- und Beratungsstelle umgebaut, die eine Häfte des Gebäudes bezog die humangenetische Beratungsstelle, die andere, kleinere Hälfte blieb der IBS. Im Zuge dieser Veränderungen wurde die IBS umbenannt und hieß fortan "Beratungs- und Therapiezentrum für Multiple Sklerose" (BTZ).

Aufgrund eines Gebäudetauschabkommnes zwischen Universität und Klinikum wurden alle Gebäude auf dem "alten Klinikgelände" der Universität zugeteilt und das Beratungs- und Therapiezentrum für Multiple Sklerose (BTZ) mußte im April 2010 umziehen und ist nun unter folgender Anschrift zu finden:

Georg-August-Universität
Neurologische Klinik
Beratung- u. Therapiezentrum für Multiple Sklerose
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen


(Bettenhaus II, Ebene 4, Durchgang zur Poliklinik)

MS-Beratungsstelle 2010

 

Multiple Sklerose Förderkreis Göttingen e. V. - Robert-Koch-Straße 40 - 37075 Göttingen - Tel.: 0551/39-8433